Lerntherapie oder Lernberatung?

Hier erfahren Sie, was genau der Unterschied zwischen Lerntherapie und Lernberatung ist!

Eltern von Kindern mit Lernschwierigkeiten wird häufig eine Lerntherapie oder Lernberatung vorgeschlagen. Dies kann in vielen Fällen eine Entlastung für die ganze Familie sein.

Die Lerntherapie hilft Lernenden genau wie die Lernberatung, ihre Lernfähigkeit zu stärken. Es gibt einen Unterschied zwischen Lerntherapie und Lernberatung zu traditioneller Nachhilfe.
Traditionelle Nachhilfe befasst sich speziell mit Wissensinhalten, während die Lerntherapie oder die Lernberatung sich sowohl mit der Verarbeitung von Informationen als auch mit Wissensinhalten befasst.
Lerntherapeuten und Lernberater verwenden eine Vielzahl von Methoden und Lehrmaterialien, um Lernenden mit Lernproblemen zu helfen. Diese Ansätze werden mit den neuesten Erkenntnissen der neurophysiologischen Forschung zur Gehirnentwicklung kombiniert, um die Hindernisse für das Lernen zu identifizieren und zu beseitigen.

Aber: Was genau ist jetzt der Unterschied zwischen Lerntherapie und Lernberatung?

Wie arbeiten Lerntherapeuten und Lerntherapeutinnen?

Lerntherapie richtet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche mit anhaltenden Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Sie verbindet je nach therapeutischem Ansatz pädagogische, psychologische und fachdidaktische Zugänge.

Dabei steht nicht allein der aktuelle Lernstoff im Mittelpunkt. Auch individuelle Lernvoraussetzungen, Motivation, Selbstvertrauen, der Umgang mit Misserfolgen und die bisherige Lernentwicklung können berücksichtigt werden.

Wie eine Lerntherapie konkret gestaltet wird und wie lange sie dauert, hängt von der individuellen Situation des Kindes, den vereinbarten Zielen und dem jeweiligen therapeutischen Ansatz ab.

Wie arbeiten Lernberater und Lernberaterinnen?

Lernberatung richtet den Blick auf den individuellen Lernprozess und die Frage, unter welchen Bedingungen Lernen für einen Menschen gut gelingen kann.

Zu Beginn wird gemeinsam betrachtet, in welchen Situationen Schwierigkeiten auftreten, welche Erfahrungen bereits gemacht wurden und welche Lerngewohnheiten, Strategien und individuellen Präferenzen erkennbar sind.

Dabei können beispielsweise folgende Bereiche eine Rolle spielen:

  • Analyse der aktuellen Lernsituation
  • individuelle Lerngewohnheiten und Lernpräferenzen
  • vorhandene Stärken und Ressourcen
  • bisher verwendete Lernstrategien
  • Erprobung unterschiedlicher Lerntechniken
  • Entwicklung individueller Lernstrategien
  • Motivation und Selbstorganisation
  • Möglichkeiten zur Veränderung der Lernbedingungen

Ziel ist nicht, die eine „richtige“ Lernmethode für einen Menschen zu finden. Vielmehr sollen Lernende unterschiedliche Möglichkeiten kennenlernen und zunehmend selbst einschätzen können, welche Strategien ihnen bei unterschiedlichen Anforderungen helfen.

Was wir unter „Lerntyp“ verstehen

Der Begriff „Lerntyp“ bezeichnet bei POTENTIALO® keine starre Kategorie. Menschen lernen nicht ausschließlich visuell, auditiv oder über Bewegung, und aus einer individuellen Präferenz lässt sich nicht ableiten, dass Lerninhalte ausschließlich in dieser Form angeboten werden sollten.

Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lernzugängen dient vielmehr dazu, eigene Gewohnheiten und Präferenzen wahrzunehmen und das persönliche Repertoire an Lernstrategien zu erweitern.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, sich auf einen bevorzugten Lernkanal zu beschränken. Unterschiedliche Zugänge können erprobt und – wo es für den jeweiligen Lerngegenstand sinnvoll ist – miteinander verbunden werden. Ziel ist es, flexibel auf unterschiedliche Lernanforderungen reagieren zu können.

Welche Arten von Lerntechniken vermittelt die Lernberatung?

Lerntechniken sind Werkzeuge. Welche davon hilfreich sind, hängt unter anderem vom Lernziel, vom Lerngegenstand, von den individuellen Voraussetzungen und von der jeweiligen Situation ab.

POTENTIALO® vermittelt deshalb nicht eine einzelne „richtige“ Methode, sondern unterstützt Lernende dabei, unterschiedliche Strategien kennenzulernen, auszuprobieren und zunehmend selbstständig auszuwählen.

Was soll Lernberatung bewirken?

Lernberatung soll Lernende dabei unterstützen, den eigenen Lernprozess besser zu verstehen und zunehmend selbstständig zu gestalten.

Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Lerntechniken kennenzulernen. Lernende sollen verstehen, welche Bedingungen ihr Lernen beeinflussen, vorhandene Ressourcen wahrnehmen und Strategien entwickeln, mit denen sie unterschiedlichen Anforderungen begegnen können.

Ziel ist es, Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit und Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit zu stärken.

Lernberatung versteht Lernen damit nicht als Anwendung eines festen Methodenprogramms, sondern als individuellen Entwicklungsprozess.