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Schulen am Limit: Warum sozial-emotionales Lernen der Schlüssel zur Lösung ist 

 30‑Jun‑2024

Von  Sabine Gessenich

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Einleitung

In meiner täglichen Arbeit begegne ich immer häufiger Kindern, die laut §35a des SGB VIII eine seelische Behinderung haben. Diese Erfahrungen haben mich dazu veranlasst, über die Ursachen dieser Probleme nachzudenken. Meiner Meinung nach liegen die Gründe nicht nur in den individuellen Lernschwierigkeiten dieser Kinder, sondern auch in den Zuständen an unseren Schulen. Die angespannte Stimmung, der Druck auf Schüler und Lehrer sowie die unzureichende Unterstützung sozial-emotionaler Kompetenzen tragen maßgeblich zu diesen Herausforderungen bei.

Schulen stehen heute vor enormen Herausforderungen. Die Stimmung an vielen Schulen ist angespannt, da Lehrer mit hohen Erwartungen und Arbeitsbelastungen konfrontiert sind, die häufig zu Burnout führen. Schüler kämpfen mit zunehmendem Druck, sowohl akademisch als auch sozial, und viele erleben Unsicherheit und Angst. Besonders geflüchtete Kinder und Jugendliche stehen vor erheblichen Schwierigkeiten: Sie müssen sich in einer neuen Kultur und Sprache zurechtfinden und gleichzeitig die Traumata ihrer Fluchterfahrungen bewältigen.

Die Schule sollte ein sicherer Ort sein, an dem alle Kinder die Möglichkeit haben, zu lernen und zu wachsen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Lehrkräfte sind überlastet und nicht immer ausreichend auf die sozialen und emotionalen Bedürfnisse ihrer Schüler vorbereitet. Schüler, die aus schwierigen Verhältnissen kommen oder mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, erhalten oft nicht die Unterstützung, die sie benötigen.

Integration und Skalierung in einem föderalen Bildungssystem

Für die erfolgreiche Implementierung von SEL-Programmen in einem föderalen Bildungssystem wie dem in Deutschland ist ein standardisiertes Modell zur Schulung und Vernetzung von Lehrern, Schulen und Eltern notwendig. Die Implementierung sollte zunächst auf kommunaler Ebene erfolgen, bevor das Programm schrittweise über Bundesländer und Schulen ausgerollt wird. Mechanismen zur Unterstützung der Kooperation zwischen verschiedenen Bildungseinrichtungen und staatlichen Behörden sind entscheidend, um eine einheitliche und effektive Umsetzung sicherzustellen.

Spezielle Schulungsmodule für Lehrer und Eltern

Um sicherzustellen, dass Lehrer und Eltern die Konzepte von SEL effektiv umsetzen und die Schüler optimal unterstützen können, sind umfassende Schulungsmodule notwendig. Eine Community-Plattform kann den Austausch von Best Practices fördern und fortlaufende Unterstützung bieten.

Mind Matters: Ein Beispiel für selektive Anwendung

In Deutschland wird SEL oft erst dann in Betracht gezogen, wenn bereits Probleme bei Kindern und Jugendlichen bestehen. Ein Beispiel hierfür ist das Programm "Mind Matters", das von verschiedenen Krankenkassen unterstützt und in einigen deutschen Schulen angewendet wird. Dieses Programm, ursprünglich aus Australien, wird jedoch hauptsächlich genutzt, um spezifische Probleme anzugehen, anstatt präventiv sozial-emotionale Kompetenzen zu fördern. Diese selektive Anwendung bedeutet, dass viele Kinder und Jugendliche erst Unterstützung erhalten, wenn sie bereits Schwierigkeiten haben, anstatt präventiv gestärkt zu werden. Dies zeigt den Bedarf an einem umfassenderen Ansatz, der SEL als integralen Bestandteil der allgemeinen Bildung betrachtet.

Healing Classrooms: Die Schule als stabilisierendes Umfeld für geflüchtete Kinder und Jugendliche

Ein weiteres Beispiel für die Anwendung von SEL in Deutschland ist das "Healing Classrooms"-Programm, das Elemente von C.A.S.E.L. integriert, um die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Dieses Programm betont die Rolle der Schule als stabilisierendes Umfeld, das den geflüchteten Schülern hilft, sich sicher zu fühlen und ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Durch gezielte Maßnahmen und Unterstützung werden die sozialen und emotionalen Kompetenzen dieser Kinder gestärkt, um ihre Integration und ihr schulisches sowie persönliches Wachstum zu fördern.

Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in Deutschland

Die gegenwärtige Situation im deutschen Bildungssystem ist stark von den schlechten PISA-Ergebnissen und den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs beeinflusst. Der Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2020 der Europäischen Kommission zeigt, dass Deutschland bei der digitalen Ausstattung hinter dem EU-Durchschnitt liegt. Darüber hinaus gibt es erhebliche Probleme in den Bereichen funktionaler Analphabetismus und Chancengleichheit. Die soziale Aufwärtsmobilität im Bildungsbereich ist in Deutschland gering, und es gibt nur geringe Fortschritte bei der Reduzierung des Einflusses des sozioökonomischen Hintergrunds auf die Bildungsergebnisse. Schüler mit Migrationshintergrund stehen vor größeren Herausforderungen als einheimische Schüler, und die zunehmende Heterogenität der Klassen erfordert verstärkte Anstrengungen zur Stärkung des Lehrerberufs.

Internationale Perspektiven auf SEL

Ein Bericht der Marcelino Botín Stiftung aus dem Jahr 2008 beschreibt die SEL-Arbeit in Europa und den USA. Die Analyse von 76 kontrollierten Studien zu SEL-Programmen zeigt, dass diese Programme weltweit, ähnlich wie in den USA, soziale und emotionale Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen signifikant verbessern, mentale und Verhaltensprobleme reduzieren und/oder den schulischen Erfolg fördern, sowohl kurz- als auch langfristig.

In Großbritannien beispielsweise hat die Regierung erhebliche Ressourcen in die Entwicklung expliziter Programme für SEL investiert, bekannt als "Social and Emotional Aspects of Learning (SEAL)". Diese Programme sind mittlerweile in vielen Grundschulen etabliert und zeigen ermutigende Ergebnisse hinsichtlich des Verhaltens und Lernens der Schüler. Auch in Israel, Singapur und Kolumbien gibt es bedeutende Initiativen zur Förderung von SEL, die jeweils an die spezifischen kulturellen und bildungspolitischen Kontexte angepasst sind.

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2022 eine Ausschreibung für die Auswahl von Mitgliedern der informellen Expertengruppe der Kommission zur Unterstützung von Lernumgebungen für gefährdete Gruppen und zur Förderung des Wohlbefindens in der Schule veröffentlicht. Diese Ausschreibung zeigt das zunehmende Interesse und die Notwendigkeit, SEL in den europäischen Bildungssystemen stärker zu verankern.

Bedarf und Unterstützung durch die Politik

Die aktuellen Entwicklungen im deutschen Bildungswesen, insbesondere die Herausforderungen durch die Digitalisierung und die Integration von Zuwanderern, verdeutlichen den Bedarf an sozial-emotionaler Bildung. Die Politik kann durch gezielte Fördermaßnahmen und die Schaffung eines geeigneten Rahmenwerks die Implementierung von SEL-Programmen unterstützen. Eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen Schulen, Familien und Kommunen ist dabei entscheidend, um die positive Entwicklung von Fähigkeiten und die allgemeine psychische Gesundheit von Jugendlichen zu fördern.

Zusammenfassung

Sozial-emotionales Lernen ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Bildungssysteme. Durch innovative Ansätze und die aktive Einbindung aller Beteiligten kann SEL auch in Deutschland erfolgreich implementiert werden. Die Unterstützung durch die Politik und die Anpassung an die föderale Struktur sind dabei entscheidend, um langfristige Erfolge zu erzielen und die Bildungschancen für alle Schüler zu verbessern. Die derzeitige selektive Anwendung von Programmen wie "Mind Matters" und die gezielte Unterstützung durch "Healing Classrooms" zeigen, dass ein präventiver und integrativer Ansatz notwendig ist, um sozial-emotionale Kompetenzen umfassend zu fördern und zu stärken. Internationale Beispiele belegen, dass eine umfassende Implementierung von SEL-Programmen bedeutende positive Effekte haben kann.

Quellen

Chile: MEEDUCO (Paso Adelante Chile program)• Denmark: Special-Paedagogisk forlag (Trin for Trin program)• Finland: Akat Consulting (Askeleittain program):• Germany: Heidelberg Prevention Center; German Network for Mental Health• Greenland: Inerisaavik/Pilarsuiffik (Tulleriit program)• Kurdistan region (Iraq): Komak (Hengaw be Hengaw program)• Israel: Psychological and Counseling Services/Life Skills Program• Japan: EQ Japan; Committee for Children Japan• Lithuania: Children Support Centre (Antras Zingsnis program)• Malta: European Centre for Educational Resilience• New Zealand: Cornerstone Values; Youth Education (No Bullying) Service• Norway: Prososial (Steg for Steg program)• Singapore: Singapore Ministry of Education• Slovakia: PROFKREATIS (Srdce Na Dlani program)• Spain (Basque Region): EMOZIOAK (Gipuzkoa Social and Emotional Learning)• Sweden: SET; Gíslason & Løwenborg Group (StegVis program)• Turkey: Gunce Center (lkinci Adim program); EI website• UK: School of Emotional Literacy; Promoting Social Competence Project in Scotland(Scotland);Department for Education and Skills (England)• UNESCO Education Booklets• UNICEF: Child Friendly Schools; Life Skills Education

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