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Alarmierende Lernschwächen: Wie das Schulsystem unsere Zukunft gefährdet 

 18‑Jun‑2024

Von  Sabine Gessenich

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Lernschwäche oder Blockade?

Viele Schüler und Schülerinnen, die in der Schule nicht mitkommen, werden oft an Fachärzte verwiesen. Dies kann in einigen Fällen sinnvoll sein, aber oft sind schulische Möglichkeiten nicht vollständig ausgeschöpft worden. Häufig kommen Kinder zu mir, die eine Lernblockade haben und deren Selbstwertgefühl stark beeinträchtigt ist, nur weil sie zu bestimmten Zeiten in der Schule nicht mithalten konnten. Es ist bekannt, dass es in unserem Schulsystem erhebliche Mängel gibt. Warum gibt es keine Möglichkeit, Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen?

Detaillierte Lösungsansätze

1. Lerntherapeuten in Schulen: Der Einsatz von Lerntherapeuten in Schulen könnte eine wesentliche Verbesserung bringen. Diese Fachkräfte könnten gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen und ihnen helfen, Lernblockaden zu überwinden und Selbstvertrauen aufzubauen.

Beispiel aus der Praxis: Ein Mädchen der ersten Klasse sollte am Förderunterricht teilnehmen, weil sie nicht mitkommt. Nach nur drei Monaten (privat bezahlte Lerntherapie) konnte sie plötzlich alles wie durch ein Wunder. Dies zeigt, wie effektiv individualisierte Unterstützung sein kann.

Allerdings wird diese Lösung oft aufgrund fehlender finanzieller Mittel und personeller Ressourcen nicht umgesetzt. Schulen müssen erhebliche Investitionen tätigen, um genügend Lerntherapeuten einzustellen und diese kontinuierlich fortzubilden.

2. Klassenwiederholung mit Unterstützung: Das Wiederholen einer Klasse kann für viele Schüler traumatisch sein, besonders wenn es ohne ausreichende Unterstützung geschieht. Häufig fühlen sich wiederholende Schüler stigmatisiert und isoliert. Entscheidend ist, dass diese Kinder nicht nur den Stoff nachholen, sondern auch gezielt gefördert werden, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Maßnahmen wie spezielle Förderprogramme, Nachhilfe und psychologische Unterstützung sollten obligatorisch sein. Schulen müssen darauf vorbereitet sein, dass Wiederholer nicht erneut scheitern, indem sie individuelle Lernstrategien entwickeln und umsetzen.

3. Individuelle Lernpläne: Individuelle Lernpläne sind theoretisch eine hervorragende Lösung, um auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse der Schüler einzugehen. In der Praxis scheitert die Umsetzung jedoch oft an einem Mangel an Zeit und Ressourcen der Lehrkräfte. Ein standardisierter Lehrplan lässt wenig Raum für Individualisierung, und viele Lehrer sind überlastet. Es bedarf einer grundlegenden Reform des Lehrplans und einer besseren Unterstützung der Lehrkräfte, um individuelle Lernpläne realistisch und effektiv zu gestalten.

Beispiel aus der Praxis: Ein Junge in der zweiten Klasse wurde wegen angeblichem ADHS zur (privat bezahlten) Lerntherapie geschickt, während er sechs Monate auf einen Arzttermin wartete. In dieser Zeit entwickelte er sich so gut, dass der Arzt schließlich keinerlei Probleme feststellen konnte. Dies verdeutlicht, wie wichtig und wirkungsvoll eine individualisierte Lerntherapie sein kann.

4. Intensive Lernförderung: Intensive Lernförderprogramme könnten Schülern helfen, Rückstände aufzuholen, doch auch hier fehlen oft die notwendigen Ressourcen. Solche Programme sind oft teuer und erfordern qualifizierte Lehrkräfte, die zusätzlich zu ihrer regulären Arbeitszeit eingesetzt werden müssen. Ein Vierteljahr wöchentlicher Einzelstunden kann erhebliche Fortschritte bringen, doch warum ist diese effektive Maßnahme nicht standardmäßig in das Schulsystem integriert? Die Prioritäten des Bildungsbudgets müssen neu überdacht und angepasst werden, um solche Programme flächendeckend anbieten zu können.

5. Alternative Unterrichtsmethoden: Alternative Unterrichtsmethoden wie projektbasiertes Lernen, kooperatives Lernen und digitale Lernplattformen bieten großes Potenzial, um das Lernen interessanter und effektiver zu gestalten. Leider bleibt die Umsetzung dieser Methoden oft hinter den Erwartungen zurück. Gründe dafür sind Lehrpläne, Mangel an technischer Ausstattung und unzureichende Weiterbildung der Lehrkräfte. Es braucht eine Kultur des Wandels in den Schulen, die offen für neue Lehrmethoden ist und diese aktiv fördert.

Kritische Betrachtung des Schulsystems

Das Gießkannenprinzip, bei dem allen Schülern mit denselben Methoden und Inhalten unterrichtet werden, ist nicht mehr zeitgemäß, und eigentlich ist das auch bekannt. Viele Kinder bleiben auf der Strecke, weil ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Das Schulsystem muss flexibler werden und den Schülern mehr personalisierte Lernwege bieten. Dazu gehört auch eine bessere Unterstützung der Lehrer, damit diese die notwendige Zeit und die Ressourcen haben, um auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler einzugehen.

Beispiel aus der Praxis: Ein Mädchen in der dritten Klasse, das laut Schule „einfach nichts“ konnte, zeigte zu Hause und in der Therapie durchaus passable Leistungen. Der schulische Förderplan für dieses Mädchen beinhaltete eine Papierschlange, die abgestempelt wurde, wenn es sich aus Sicht der Lehrerin ausreichend am Unterricht beteiligt hatte. Auf die Frage, ob Sie die Bedeutung der Schlange verstehen, sagten sie: „Nein, ich freue mich nur, wenn ich einen Stempel habe.“ Dies zeigt, dass Belohnungssysteme allein nicht ausreichen. Ein Förderplan muss anders aussehen!

Ein Förderplan sollte gezielte, individuelle Maßnahmen beinhalten, die den Lernfortschritt und die spezifischen Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen. Belohnungssysteme können motivierend wirken, aber sie dürfen nicht der einzige Ansatz sein. Sie müssen Teil eines umfassenden Plans sein, der auch pädagogische und psychologische Unterstützung umfasst.

Problematische Zustände in Förderschulen

Gemäß den Vereinten Nationen sind Sonderschulen oder reine Förderschulen keine zulässige Lösung. Dennoch existieren sie in unserem Bildungssystem weiterhin, und es gibt Eltern, die ihr Kind gerne dorthin schicken würden, um eine individuelle Förderung zu erhalten. Allerdings zeigt die aktuelle Praxis, dass viele Kinder mit Migrationshintergrund, die kein Wort Deutsch sprechen, auf diesen Förderschulen „landen“.

Beispiel aus der Praxis: Eltern schicken ihr Kind auf eine Förderschule in der Hoffnung, dass es dort besser gefördert wird. Stattdessen langweilt sich das Kind, weil die Lehrer zunächst den anderen Kindern, die Deutsch lernen müssen, den Vorrang geben. Den Eltern wird empfohlen, ihrem Kind durch (privat bezahlte) Lerntherapie etwas Gutes zu tun. Dies ist kein Einzelfall und oft wird das Problem nicht offen angesprochen.

Für Kinder, die auf eine Förderschule gehen, weil sie spezifische Lernunterstützung benötigen, und solche, die hauptsächlich Deutsch lernen müssen, müssen unterschiedliche Lösungen entwickelt werden:

Lösungen für beide Gruppen:

  • Individuelle Sprachförderung: Kinder mit Migrationshintergrund sollten intensiven Deutschunterricht erhalten, idealerweise in separaten Kursen, damit sie schnell die Sprache lernen und am regulären Unterricht teilnehmen können.
  • Gezielte Lernförderung: Kinder, die aus anderen Gründen eine Förderschule besuchen, sollten individuelle Lernpläne erhalten, die ihre spezifischen Bedürfnisse adressieren, ohne dass die Sprachförderung der anderen Kinder ihren Fortschritt beeinträchtigt.
  • Integration und Inklusion: Förderschulen sollten integrative Ansätze entwickeln, bei denen Sprachförderung und individuelle Lernförderung parallel stattfinden können. Hier könnten kooperative Lernprojekte, bei denen Kinder einander lernen, hilfreich sein.
  • Zusätzliche Ressourcen: Bereitstellung von zusätzlichen Lehrkräften und Lerntherapeuten, die sich speziell um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder kümmern, können dazu beitragen, dass alle Schüler angemessen gefördert werden.

Gesellschaftliche Relevanz und internationale Positionierung

Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn Kinder in der Bildung zurückbleiben? Laut aktuellen OECD-Zahlen ist der Anteil der Kinder ohne Schulabschluss in Deutschland alarmierend hoch. Dies hat langfristige Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft. Kinder, die keine ausreichende Bildung erhalten, haben schlechtere Berufsaussichten und tragen weniger zur gesellschaftlichen Entwicklung bei.

Wir müssen uns fragen: Was wollen wir für die Zukunft? Wie positionieren wir uns in der Welt, wenn unsere Kinder im Bildungssystem scheitern? Ein gut funktionierendes Bildungssystem ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Unser Schulsystem steht vor großen Herausforderungen. Durch den Einsatz von Lerntherapeuten, individuellen Lernplänen, intensiver Lernförderung und alternativen Unterrichtsmethoden kann eine signifikante Verbesserung erzielt werden. Es ist an der Zeit, die Bildung auf die Bedürfnisse der Kinder auszurichten und ihnen die Unterstützung zu bieten, die sie verdienen. Dies erfordert jedoch eine grundlegende Reform und eine Umverteilung der Bildungsressourcen. Nur so können wir sicherstellen, dass kein Kind im Schulsystem zurückgelassen wird und unsere Gesellschaft eine positive Zukunft hat.

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