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Deutsche Rechtschreibung oder: Wer hat sich das bloß ausgedacht? 

 Juni 1, 2020

Von  Sabine Gessenich

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Von den Anfängen der Schrift bis heute gab es nur ein Ziel: Schriftliche Kommunikation möglichst vielen Menschen verfügbar zu machen.


Wer erfand die deutsche Rechtschreibung?

Diese Frage muss man sich einfach stellen, wenn man sieht, dass über die Hälfte der deutschen Worte anders geschrieben als gehört werden. Wie konnte es dazu kommen?

Fangen wir mal ganz von vorne an.

Erste Vorläufer der Schrift sind auf 75.000 v. Chr. datiert. Genauso wie die Höhlenmalereien, die sich ab 35.000 v. Chr. nachweisen lassen, dienten sie noch nicht der Kommunikation. Man vermutet religiöse oder kulturelle Gründe.

Erste wirkliche schriftliche Aufzeichnungen lassen sich ca. 3000 v. Chr. nachweisen.

Jeder hat schon einmal von Hieroglyphen gehört. Genauso wie die im selben Zeitraum entstandene mesopotamische Keilschrift dienten diese Bildzeichen der Dokumentation und wurden bis ins 4 Jh. v. Chr. hauptsächlich von Berufsschreibern verwendet. Im Laufe der Jahre entwickelten sich neben den reinen Bildzeichen auch Lautzeichen, die miteinander kombiniert wurden.

Die chinesische Schrift entstand 1500 v. Chr.

Die Bedeutung der Schriftzeichen, ‚Hanzi‘ genannt, ergeben sich nicht aus der jeweiligen Abbildung. Man muss sie auswendig lernen und ca. 2000-3000 Zeichen (!) kennen, um zum Beispiel eine chinesische Zeitung lesen zu können.

Entstehung der Alphabetschrift

Die erste wirkliche Alphabetschrift, bei der ein Zeichen für einen Laut stand, entwickelte sich vermutlich 1500 v. Chr. in Griechenland. Sie hatte 22 Konsonanten und keine Vokale. Aus ihr entwickelte sich ca. 500 Jahre später die griechische Alphabetschrift, die zusätzlich Vokale enthielt und weitere 600 Jahre später von fast jedem Bürger in Athen beherrscht wurde.

Die Anfänge der lateinischen Alphabetschrift finden sich um 700 v. Chr. Sie kam durch die Etrusker über Italien nach Europa und wurde auf viele Sprachen übertragen. Heute besteht sie aus 26 Buchstaben, wobei im Deutschen noch die Umlaute ä, ö, ü und mit Ausnahme der Schweiz das kleine scharfe ß dazukommen.

Die Vorteile der Alphabetschrift liegen auf der Hand

Mit einer begrenzten Anzahl von Laut-Zeichen können unendlich viele Wörter gebildet und gelesen werden. Man muss sich wesentlich weniger merken, als bei den Begriffsschriften, wie zum Beispiel der chinesischen Schrift.

Der Nachteil der Alphabetschrift

Die Umsetzung der Buchstaben in die richtigen Laute birgt einige Schwierigkeiten für Lernanfänger. Deshalb muss das Schreiben und Lesen lernen mit viel Gespür und Geduld von Lehrenden begleitet werden. Übrigens: In Ländern mit Begriffsschriften gibt es so gut wie keine Legasthenie.

Die Geschichte der deutschen Rechtschreibung

Betrachten wir die Zeit um 800 n. Chr. Geschrieben wurde überwiegend von Mönchen, die versuchten, die lateinische Alphabetschrift mit der althochdeutschen Sprache zusammenzubringen und selbst verschiedene Dialekte sprachen (bayrisch, alemannisch, fränkisch oder sächsisch).  Dass hier jeder schrieb, wie er es gerade für richtig hielt, wird uns schnell klar. Übrigens gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine Großbuchstaben und Leerzeichen zwischen den Wörtern.

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Erfindung des Buchdrucks

Erst Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Rechtschreibregeln nötig. Es gab mehr und mehr Schreibkundige (Kaufleute, Juristen, Universitäten) und durch den Buchdruck fanden Texte eine schnellere Verbreitung. Die Drucke sollten natürlich schön aussehen und gut lesbar sein, deshalb verwendete man ab da zusätzlich Großbuchstaben und Leerzeichen. Die Drucker wollten ihre eigene Arbeit sowie den Lesefluss beschleunigen und sind deshalb „schuld“, dass sich unsere Rechtschreibung am jeweiligen Wortstamm orientiert. Sie begannen, häufig vorkommende Worte in einem Block zusammenzufassen und nur noch einzelne Buchstaben anzuhängen. Deshalb gibt es heute für mehrere Laute nur ein Zeichen. Zum Beispiel d für d und t bei dem Wort Hund: Eigentlich klingt das Wort Hund so, als würde am Ende ein ‘t‘ stehen. Aufgrund der durch den Buchdruck erforderlich gewordenen Wortstammbildung (oder auch Morphemkonstanz genannt), schreibt man aber Hund – Hunde.

Goethes erstes Wörterbuch

Bis ins 18. Jahrhundert ‚erfand‘ jede Druckerei ihre eigenen Schreibanweisungen. Erst dann gab es eine ‚Vollständige Anweisung zur Orthographie‘, herausgegeben durch den Germanisten und Pfarrerssohn Johann Christoph Adelung. Goethe verwendete diese nach eigener Aussage bei seiner täglichen Arbeit. Doch es gab keine Vorschrift, sich nach diesen Regeln zu richten und fast jeder schrieb weiterhin, wie er wollte.

Rechtschreibkonferenzen

1875 gab es unter dem preußischen Kultusminister eine ‚Erste Orthographiekonferenz‘. Erst 28 Jahre später -  im April 1903 gab es eine für die deutschen Schulen verbindliche und einheitliche Rechtschreibung.

Duden

Konrad Duden erarbeitete danach den Buchdruckerduden, der seit 1915 auch der Allgemeinheit zur Verfügung steht und regelmäßig überarbeitet wird.

Rechtschreibreform

In 1996 erfolgte eine Überarbeitung der Rechtschreibregeln. Ziel war die Vereinfachung der Rechtschreibregeln von 1903.  Aus meiner Sicht ein riesengroßes Durcheinander, welches zur Folge hatte, dass ich selbst seitdem ständig den Duden zur Hand nehme, um sicher zu sein, dass es richtig ist, was ich schreibe.

Die deutsche Rechtschreibung ist immer noch schwer. Viele Dinge müssen einfach auswendig gelernt werden, weil man sie sich anders nicht erschließen kann.

Gute Rechtschreibende wenden eine spezielle Technik an. Sie speichern sich Worte als Wortbild in ihrem Gedächtnis ab.

Ganz wichtig für Anfänger ist auch das regelmäßige Üben, das heutzutage leider viel zu kurz kommt.

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