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Der POTENTIALO®-Ansatz 

 20. April 2026

Von  Sabine Gessenich

Der POTENTIALO®-Ansatz

Der POTENTIALO®-Ansatz

Lernen verstehen. Entwicklung begleiten. Potenziale stärken.

Der POTENTIALO®-Ansatz ist aus mehr als 25 Jahren lerntherapeutischer und lernberatender Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und pädagogischen Fachkräften entstanden.

Er verbindet professionelles Erfahrungswissen mit aktuellen Erkenntnissen über Lernen, Motivation, Beziehung und Entwicklung.

Im Mittelpunkt steht nicht zuerst die Frage:

„Wie lässt sich das Verhalten eines Kindes möglichst schnell verändern?“

Sondern:

„Was zeigt sich in diesem Verhalten – und was braucht dieses Kind, damit Lernen wieder möglich wird?“

Es gibt einen Moment, der im Unterricht und in der Lernbegleitung häufig geschieht und leicht übersehen werden kann:

Ein Kind sitzt vor einer Aufgabe. Es beginnt nicht. Es schaut zur Seite, dreht den Stift und sagt schließlich: „Keine Lust.“ Schnell entsteht der Eindruck, das Kind sei unmotiviert – und dieser Eindruck beeinflusst das weitere Handeln.

Doch was, wenn die erste Einschätzung nicht ausreicht?

Was wie fehlende Motivation, mangelnde Anstrengung oder fehlendes Können erscheint, kann unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal schützt sich ein Kind vor einer Situation, in der ein Fehler, ein Scheitern oder eine Überforderung sichtbar werden könnte. Verhalten ist deshalb nicht vorschnell als Defizit zu bewerten, sondern zunächst als Hinweis, genauer hinzusehen.

Hier beginnt der POTENTIALO®-Ansatz.

Beobachtung vor Bewertung

Das zentrale Ausgangsprinzip lautet:

Beobachtung vor Bewertung.

Der POTENTIALO®-Ansatz beschreibt eine professionelle Art des Hinschauens: Verhalten zunächst wahrnehmen, bevor es beurteilt wird. Verstehen wollen, bevor eine Erklärung festgelegt wird. Und erkennen, was sich verändern muss, damit Lernen wieder möglich werden kann.

Dabei geht es nicht darum, jede Schwierigkeit psychologisch zu deuten oder vorschnell eine verborgene Ursache anzunehmen. Eine Beobachtung eröffnet zunächst Fragen und mögliche Hypothesen. Diese müssen geprüft, verworfen oder weiterentwickelt werden.

Der POTENTIALO®-Ansatz ist deshalb kein Methodenkoffer. Er verbindet eine verstehende Haltung mit einem strukturierten Reflexions- und Entscheidungsprozess:

Wahrnehmen → Verstehen → Reflektieren → Entscheiden

  • Wahrnehmen: Was ist tatsächlich zu beobachten – ohne vorschnelle Interpretation?
  • Verstehen: Welche fachlichen Perspektiven können helfen, das Beobachtete einzuordnen?
  • Reflektieren: Welche Annahmen, Erwartungen und eigenen Reaktionen beeinflussen den Blick?
  • Entscheiden: Welcher nächste pädagogische Schritt ist in dieser konkreten Situation begründet und angemessen?

So entstehen keine fertigen Antworten, die auf jedes Kind übertragen werden können. Es entstehen begründete Handlungsmöglichkeiten, die sich an der jeweiligen Person, Situation und Entwicklung orientieren.

Der Ansatz richtet sich an Lehrkräfte, Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten, Lernbegleitende sowie pädagogische Fachkräfte, die Lernschwierigkeiten und auffälliges Lernverhalten differenzierter verstehen und professionell begleiten möchten.

Er lässt sich auf unterschiedliche Lernorte übertragen: in die Einzelsitzung, in das Klassenzimmer, in die Elternberatung und überall dorthin, wo Lernen professionell begleitet wird.

Wissenschaftliche Bezugspunkte

Der POTENTIALO®-Ansatz bezieht Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie, Lern- und Gedächtnisforschung, Motivationsforschung, Neurowissenschaften, Beziehungsforschung und Bildungsforschung ein.

Zu seinen wissenschaftlichen Bezugspunkten gehören unter anderem Erkenntnisse über:

  • Aufmerksamkeit und Gedächtnis
  • Vorwissen und Lernstrategien
  • Motivation und Selbstwirksamkeit
  • Selbstregulation
  • Stress und Lernen
  • individuelle Entwicklungsprozesse
  • pädagogische Beziehungen
  • professionelle Urteilsbildung

Diese Erkenntnisse werden nicht als einzelne, fertige Erklärungsmodelle für das Verhalten eines Kindes verwendet. Sie eröffnen unterschiedliche fachliche Perspektiven, mit deren Hilfe Beobachtungen eingeordnet, Hypothesen geprüft und pädagogische Entscheidungen reflektiert getroffen werden können.

Der POTENTIALO®-Ansatz unterscheidet dabei bewusst zwischen:

  • wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • professionellem Erfahrungswissen
  • eigener konzeptioneller Weiterentwicklung

Wissenschaftliche Befunde bilden wichtige Bezugspunkte. Beobachtungen aus der Praxis können zusätzliche Fragen und Hypothesen eröffnen. Beide Ebenen werden miteinander in Beziehung gesetzt, ohne Praxiserfahrung mit wissenschaftlicher Evidenz gleichzusetzen.

Ein Ansatz in Weiterentwicklung

Der POTENTIALO®-Ansatz versteht sich nicht als abgeschlossenes Modell. Er ist aus langjähriger Praxis entstanden und wird im Austausch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und professioneller Erfahrung kontinuierlich weiterentwickelt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und professionelles Erfahrungswissen werden dabei als unterschiedliche Wissensformen verstanden. Sie werden klar voneinander unterschieden und zugleich reflektiert miteinander in Beziehung gesetzt.

Vom individuellen Ansatz zur gemeinsamen Praxis

Ursprünglich ist der POTENTIALO®-Ansatz in der individuellen Lernberatung und Lerntherapie entstanden. Über viele Jahre entwickelten sich aus Fallarbeit, Materialien und professioneller Reflexion Wissensbestände, die heute nicht mehr nur in einer einzelnen Praxis verbleiben.

Im POTENTIALO®-Wissenszentrum werden Fachwissen, Materialien, Videos, Impulse und Wissenskarten dauerhaft kostenfrei zugänglich gemacht. Rund um POTENTIALO® entsteht zugleich ein Netzwerk für Lernen und Bildung, in dem Wissen, Praxiserfahrung und unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden.

Forum, Impulsgruppen und Praxislabor eröffnen unterschiedliche Räume für Austausch, Fallreflexion und gemeinsame Weiterentwicklung. Die POTENTIALO®-Praxismodule unterstützen Lernbegleitende und pädagogische Fachkräfte dabei, den Ansatz auf die eigene Arbeit zu übertragen.

So wird aus einem zunächst persönlichen Blick auf Lernprozesse nach und nach eine geteilte professionelle Praxis: mit einer Sprache, die Verständigung ermöglicht, einem Wissen, das zugänglich bleibt, und einer Haltung, die auch in unterschiedlichen pädagogischen Handlungsfeldern Orientierung geben kann.

Anwendungsfelder des POTENTIALO®-Ansatzes

Der POTENTIALO®-Ansatz bildet eine Grundlage für unterschiedliche pädagogische Handlungsfelder. Dazu gehören insbesondere:

  • Lernberatung und Lerntherapie
  • professionelle Lernbegleitung
  • Elternberatung
  • Unterrichts- und Schulentwicklung
  • Fortbildung pädagogischer Fachkräfte
  • Fallberatung und professionelle Urteilsbildung
  • Medien- und KI-Kompetenz


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